Sarah Estep: Zwei Besucher aus einer Welt von irgendwo

 

Sarah Estep gründete die "American Association Electronic Voice Phenomena (AA-EVP)" im Jahre 1982. Sie ist die Autorin der Bücher "Voices of Eternity" und "Roads to Eternity". Sie hat jahrelang das Phänomen der Tonbandstimmen erforscht.

 

Sie berichtet über ihre außergewöhnlichen Erfahrungen, die sie bereits in früher Kindheit gemacht hatte:

 

Meine Erfahrung mit anderen Dimensionen geht zurück bis zu einem frühen Alter von drei oder vier Jahren. Es liegt auf der Hand, dass ich in diesem Alter noch nichts von verschiedenartigen Wirklichkeiten wusste. Ich hatte aber häufig ungewöhnliche Erfahrungen beim Aufwachen, wobei alles fremd aussah, als ich meine Augen öffnete.

 

Alle Möbelstücke, der Raum, der Flur waren real. Aber alles hatte eine zusätzliche Tiefenschärfe. Ich fand daran Gefallen, es verursachte bei mir eine Art prickelndes Gefühl. Nach ein oder zwei Minuten wandelten sich die Dinge wieder in den Normalzustand. Inzwischen dachte ich, jeder würde solche Dinge erfahren. Deshalb hielt ich es für nicht mehr erwähnenswert. Vierzig Jahre später las ich in einem Buch über psychische Phänomene einen kurzen Hinweis darauf. Der Autor bezeichnete es als "binokulare Vision" und erklärte, dass es so sei, als würde jemand durch das falsche Ende eines Fernglases (entgegengesetzt dem normalen Gebrauch) schauen. Dies ist eine zutreffende Beschreibung. Ich weiß, dass es auf dem Gebiet der Augenheilkunde den gleichen Ausdruck gibt, aber dies hat nichts mit meinen Erfahrungen zu tun.

 

Zwei fremde Männer

 

Eines Nachts, als ich ungefähr fünf Jahre alt war, wurden diese Erfahrungen beängstigend. Als ich meine Augen öffnete, sah ich rechts von mir zwei Männer vor meinem Schlafzimmerschrank stehen, ihre Rücken mir zugewandt. Meine Mutter ließ meine Schlafzimmertür immer zum Flur hin offen, der immer beleuchtet war, so dass ich sie klar sehen konnte. Die Männer sahen normal aus bis auf die Art, wie sie gekleidet waren. Beide trugen Kniebundhosen, langärmelige Shirts und Westen, einer von ihnen hatte ein gepunktetes Band um den Kopf geschlungen. Sie schienen mich nicht zu bemerken. Sie waren fasziniert von den Gegenständen an meinem Schlafzimmerschrank, nahmen einen nach dem anderen hoch und untersuchten ihn gründlich. Ich schrie.

 

Meine Eltern kamen beide hereingerannt und ich erzählte ihnen schluchzend, dass zwei Männer in meinem Zimmer waren. Sie versicherten mir, es sei meine Phantasie gewesen, ich hätte wohl schlecht geträumt. Bei voller Beleuchtung musste ich eingestehen, dass die Männer nicht da waren. Sie gaben mir einen Kuss und einen Klaps und gingen wieder zu Bett.

 

Fast unmittelbar danach kehrten die zwei Männer wieder zurück. Nun schienen sie mich zu bemerken. Sie kamen, standen still neben meinem Bett und sahen auf mich herab. Ich stellte mich schlafend, blickte sie jedoch mit leicht geöffneten Augen an. Kurze Zeit später gingen sie zum Kleiderschrank zurück und murmelten leise miteinander. Eine kleine Sparbüchse wurde geschüttelt, und ich begann nochmals zu schreien.

Meine Eltern kamen zurück und ich erzählte ihnen, immer noch schreiend, dass die Männer zurückgekommen waren. Ich bat sie, in meinen Schrank und unter mein Bett zu sehen, was sie auch taten. Da war jedoch nichts. Immer noch schluchzend sagte ich, dass ich wüsste, dass sie noch irgendwo hier seien. Daraufhin erklärte meine Mutter, dass sie bei mir schlafen würde. Als sie eingeschlafen war, kehrten die Männer zurück. Wieder standen sie neben mir und blickten auf meine Mutter und mich herab. Trotz schrecklicher Angst stellte ich mich schlafend. Warum weckte ich nicht meine Mutter, damit sie diese beiden fremden Männer sehen konnte, die nur einen Fuß weit von uns standen? Ich wusste, dass sie nicht in der Lage sein würde, sie zu sehen.

 

Nach einigen Minuten verließen die Männer den Raum und gingen hinunter. Ich konnte sie herumgehen hören. Einer von ihnen begann, fürchterlich laute Akkorde auf dem Piano zu spielen. Der andere nahm ein Lieblingsspielzeug von mir auf. Es war ein Vogel an einem Stock. Wenn du ihn in der Luft herumwirbelst, gibt es einen pfeifenden Ton.

 

Warum weckte ich nicht meine Mutter, damit sie diese Geräusche hören konnte? Ich wusste, sie würde nicht fähig sein, diese zu hören.

 

Der Morgen kann und meine Eltern und ich begannen, uns für den Tag anzukleiden. Währenddessen hörte ich die Klingel an der Haustür. Ich ging zu meinem Schlafzimmer-fenster und sah die zwei Männer, wie sie die Treppenstufen heruntergingen, auf dem Bürgersteig sich nach links wenden und fortgehen, bis sie außer Sichtweite waren.

 

Die Männer klingeln

 

Meine Mutter und mein Vater gingen zur Treppe, als sie die Klingel gehört hatten. Mary, ein etwa zwanzigjähriges Mädchen, lebte bei uns in der Zeit, als sie zur Sekretärinnenschule ging. Sie schlief in einem anderen Teil des Hauses und hatte nicht bemerkt, was während der Nacht geschehen war. Eine von Mary's Aufgaben war, jeden Morgen das Frühstück für uns zu bereiten. Mutter rief die Treppe herunter und fragte, wer an der Tür war. Mary, die geschockt schien, erwiderte: "Als die Klingel ertönte, öffnete ich die Tür und da waren zwei der merkwürdigst aussehenden Männer, die ich je gesehen habe, so dass ich die Tür vor ihnen zuknallte." Beide Eltern schauten mich an, als würden sie mich zum ersten Mal sehen. Darüber wurde nicht mehr gesprochen. Ich weiß nun, dass dies etwas so weit außerhalb ihrer normalen Realität war. Sie wollten dies nicht weiter untersuchen.

 

Im Gegensatz zu den früheren Erfahrungen mit der "binocularen Vision", die gerade ein oder zwei Minuten dauerte, beschäftigte mich dieses Geschehen fast den ganzen Tag. Obwohl keine "Extra"-Personen zu sehen waren, hatte alles in meinem Zuhause damit etwas zu tun. Am späteren Nachmittag begann dies zu verblassen und nach einer Nacht mit ungestörtem Schlaf erwachte ich am nächsten Morgen in meiner normalen Welt.. Ich hatte niemals wieder eine solche Erfahrung gemacht und meine binoculare Vision geschah immer weniger. Sie endete vollständig nach etwa einem Jahr.

 

Woher kamen sie?

 

Ich glaube, dass die Männer, die ich sah, aus einer anderen Dimension kamen, aus einer Parallelwelt. Schon aufgrund der Art, wie sie gekleidet waren, und der Faszination, die sie für die Gegenständer in meinem Kleiderschrank hatten.

Ich denke, ihre Zeit unterschied sich von der unseren - beinahe so, als seien sie 200 Jahre hinter unserer eigenen. Irgendwie schlüpften sie in meine Realität und waren in der Lage, darauf in einem bestimmten Umfang einzuwirken. Nach vielem Nachdenken fühle ich, dass ich einen Fuß in einer anderen Dimension hatte während meiner binocularen Visions-erfahrungen. In der Nacht, als die zwei Männer kamen, ging ich vielleicht noch einen Schritt weiter.

 

Merkwürdigerweise hatte mein Sohn Bob, nun auch in den Vierzigern, eine sehr ähnliche Erfahrung gemacht, als er fünf Jahre alt war. Wir haben eine sehr starke psychische Verbindung zueinander und obwohl sich die Einzelfälle nicht sehr häufig ereigneten, so waren sie doch etwas Erstaunliches. An einem Abend wachte Bob schreiend auf. Charlie und ich rannten zu seinem Zimmer. Bob saß aufrecht in seinem Bett und schrie so laut, wie es ein Fünfjährige nur kann. "Das sind Tiere überall in meinem Bett und überall im Flur", sagte er als er hierhin und dorthin deutete. Charlie sagte zu ihm, dass er wohl schlecht geträumt habe.

 

"Nein, nein, Dad, ich sehe sie. Schau, da ist ein Tier! Es krabbelt gerade an meinem Bett empor." Bob hatte schreckliche Angst. Ihm in die Augen schauend konnte ich sagen, dass er ganz klar das sah, was ich dreißig Jahre früher gesehen hatte, davon abgesehen, dass es in meinem Fall zwei Männer waren. Er versuchte, sie von seinem Bett zu stoßen. Ich erzählte Charlie, dass ich Bob glaube, dass er das sieht, was er behauptet. Er hatte nichts dagegen, als ich vorschlug, Bob für den Rest der Nacht in unser Bett mitzunehmen. Nach einem letzten Schluchzer beruhigte sich Bob und schlief bis zum Morgen.

 

Glaube ich wirklich, dass die Tiere tatsächlich in seinem Raum waren, so wie die Männer in meinem waren? Es könnte sein. Ich glaube, Bob ging einen Schritt weiter, als ich ihn vor so langer Zeit gegangen war, und betrat ihre Dimension für einige Minuten.

 

Als Resultat dieser und anderer früherer Erfahrungen hatte ich immer gefühlt, dass alles Leben, alles Bewusstsein, in welcher Welt es immer existiert, eins ist. Wir können uns nicht von allen anderen trennen, auch nicht von anderen Welten. Wir sind alle ein Teil dessen, was immer es auch ist.

 

 

Quelle: AA-EVP NewsJournal Vol 24/Nr. 2 (Sommer 2005), S. 10 und 15

 

Übersetzung: Jochem Fornoff